9/07/11

Regen, Nachbarn und Idioten

Etappe 06 : Achern - Ringsheim (53,1 km)

07:10 Frühes Aufstehen, der Tag wird lang, ich habe Null Bock. Frühstück, zahlen, kurz nach 8 gehts los. Der Gegenwind von gestern ist immer noch da, dazu gibt's heute jede Menge Regen. Yummi. Keine Neuigkeiten vom Bein, ich peile so 12 Stunden brutto für die 55 km an. Stellt sich raus, dass das recht gut passt, aber grosse Pausen waren da nicht drin :-(


11:30 Irgendwo auf dem Weg eine kleine Pause. Das Denkmal verdeutlicht mal wieder, dass die Geschichte mit dem geeinten Europa sich inden Hauptstädten irgendwie immer ein wenig besser anhört als in Grenznähe.

12:50 Ich komme durch Burdapest Offenburg. Es schüttet. Lauter Idioten mit überdimensionierten Regenschirmen, die trotzdem versuchen, sich unter jede Überdachung zu zwängen. Eigentlich wollte ich hier zu Mittag essen, so versuche ich nur, schnellmöglich durchzukommen. Stattdessen gibt es Ben & Jerry's und Kaffe am Aralsee.

16:00 Es hat ein wenig aufgeklart, bleibt aber kühl (gut) und windig (schlecht). Heute fast überall Radwege. Ich merke die Müdigkeit. Zwischendurch ein bisschen Steigung, ein kleiner Abstecher durch die Weinberge. Nächstes mal, wenn was nach ner Abkürzung aussieht, auch aufs Höhenprofil schauen. Noch 20 km.


19:15 Irgendwie geht das heute extrem schleppend. Dabei ist es gar nicht mehr so windig. Aber der Wagen fährt sich wie mit angezogener Handbremse. Könnte das an dem Platten hinten rechts liegen? Jetzt noch Reifen wechseln? Wirklich? Ich probiere erstmal Luft. Das hält. So 10 Minuten lang. Immerhin. Noch 2 mal aufpumpen, dann bin ich im Hotel. Reifenwechsel wird auf morgen früh verschoben.

21:00 Geduscht, gegessen, ab in die Falle, ich bin fertig.

9/06/11

Stefan gegen den Wind

Etappe 05 : Malsch - Achern (37,1 km)



Das etwas längere Ausruhen hat gutgetan, ich fühle mich einigermassen frisch. Es gibt ausgezeichnetes Frühstück, dann geht es los. Das Bein unverändert, also ist Gehen angesagt, was angesichts der Streckenlänge nicht so schlimm ist. Wolkenloser Himmel, es wird wieder heiss.

12:30 Mittagspause in hab-ich-vergessen. Ente beim Thai, schmeckt genauso synthetisch wie im letzten hab-ich-vergessen. Danach ein wenig ablegen in einem kleinen Park, komme aber nicht wirklich zur Ruhe, Gehen schlaucht zwar über die Zeit auch, aber es macht irgendwie nicht so akut müde wie laufen.

14:00 Die Hitze nehme ich heute nicht so wahr; sie ist aber da, was ich an der Trinkmenge merke. Kühlend wirkt ein ständiger Gegenwind, teils böig. Was gut gegen die Hitze ist, macht das Vorwärtskommen sehr zäh. Trotzdem geht es stetig, mit vielen kleinen Getränke-, Eis- und Kurz-in-den-Schatten-setzten-Pausen weiter.

Gegen 17:30 komme ich in Achern an. Diesmal wird zuerst der Wagen für morgen gepackt und die Strecke klargezogen, dann gibt's leckeren Flammkuchen mit ein paar Weizen zum Abendessen und ich gehe früh ins Bett.

9/05/11

Stefan gegen die Prellung

Etappe 04 : Bruchsal - Malsch (35,5 km)

8:30 Habe gut schlafen, Bein tut schmerzt immer noch sehr. Bin mir sicher, dass es nichts mit dem Laufen zu tun hat. Prellung weiterhin die favorisierte These. Ausgiebig frühstücken, packen.

10:00 Nach längerem Stop in der Apotheke (Blasenpflaster, Antiseptikum, Hautcreme) marschiere ich los. Heute ist es endlich nicht mehr warm, so um die 20 Grad, im Shirt manchmal sogar zu kalt. Mittags Kaffe und Kuchen an einem Supermarkt, ansonsten führt die Strecke heute - bis auf das recht beschauliche Ettlingen - ziemlich unspannend durchs nichts.

Der Schmerz im Schienenbein begleitet mich den ganzen Tag, es wird nicht besser, aber auch nicht schlimmer. Trotzdem recht nervig, an Laufen nicht zu denken. Trotzdem kriege ich etwas über 35 km hin. Da gingen auch noch 5 mehr, so dass ich gar nicht so viel auf den ursprünglichen Plan verliere. Bis Freiburg wird es wohl ein Tag mehr als geplant, aber der originäre Plan hatte eh sehr harte Etappen.

14:30 Es erwartet mich dieses Bild an der Abzweigung zur Strassenbahnhaltestelle. Ist das einladend? Moderne Kunst? Für mich sieht das ungefähr wie die Visualisierung dessen aus, was den meisten Kindern morgens durch den Kopf geht, wenn sie den U-Bahn Schacht an der Konsti betreten.

18:00 Im Hotel ist die Rezeption schon nicht mehr besetzt, den Schlüssel gibt's 500m weiter in einer Brauerei, dort auch gleich Abendessen, dazu ein Bier aufs Haus, ein sehr netter Zug.

Jetzt früh ins Bett, vielleicht komme ich morgen mal zeitig raus.

9/04/11

Stefan gegen den Umweg

Etappe 3 : Heidelberg - Bruchsal (41 km)

7:00 Es weckt mich der katholische Weckdienst (hier in der besonders garstigen Ausprägung die Viertelstunde mit je 3 Schlägen zu markieren, so daß mir 7 Uhr morgens schon mit 4x3+7=19 Schlägen angezeigt wird) vom 10 Meter entfernten Kirchturm besser als jeder Eimer kaltes Wasser ins Gesicht. Beine massieren, Frühstück. Es will nicht schmecken. Trotzdem versuche ich, hinreichend viel in mich reinzupressen.

Wagen bepacken, diesmal ordentlich, Schlampigkeit zahlt sich nicht aus, gibt heute bestimmt noch Regen.

9:50 Es geht los, die Beine extrem müde. Es ist bewölkt, noch nicht zu warm, aber es wird heute schwül. Erstmal durch Heidelberg, von Tanke zu Tanke. Ich probiere heute mal die Cola weitestgehend wegzulassen. Stattdessen Wasser mit Nuun Tabletten und Nescafe Express. Vom Nuun kann ich einfach mehr trinken und gestern war deutlich zu wenig.

Gegen Mittag verzweifle ich an der B3, die hier für Fußgänger gesperrt ist. Die Radwege bringen fast 5 km Umweg mit sich. Eigentlich hatte ich mir vorgenommen, um 12:00 Mittag zu essen, so irre ich um kurz vor eins immer noch durch Maisfelder. Irgendwo setzte ich mich einfach auf eine Bank und beschließe, hier und jetzt Pause zu machen. Landjäger und Chips tun's auch. Kaum sitze ich, sehe ich so 200 m den Weg runter etwas, was aussieht wie ein Coca Cola Schild. Hmmm, mal nachschauen. Nicht Coke, sondern Langnese, aber der Hinweis auf ein Restaurant mit Biergarten, knapp 20m entfernt. Auch hier, genau an der richtigen Stelle. So gibt es Schnitzel mit Bratkartoffeln und Weizen bleifrei beim Kleintierzüchterverein. Lecker. Danach ablegen auf einem Kinderspielplatz und 40 Minuten knacken.

Mein rechtes Schienenbein schmerzt, das wird auch nicht besser, eher schlimmer über den Tag. Ich bin mir nicht sicher, was es ist, sehr punktuell, bester Kandidat wäre eine Prellung (vielleicht von der Aktion mit der Böschung gestern), aber äußerlich ist nix zu sehen.

Weiter gen Bruchsal, noch 3,5h. Teilweise gute Radwege, teilweise direkt auf der B3, deren Ausbau hier sehr durchwachsen ist. In der letzten Stunde erwischt mich heftiger Regen, das tut gut.

Um 18:00 komme ich am Hotel an. Ausruhen, Wundversorgung, Abendessen, erst Grillteller, dann Käsespätzle, der Ranzen spannt und ich gehe um 10 ins Bett, diesmal gibt es erholsamen Schlaf.

9/03/11

Stefan gegen die Sturheit

Etappe 2 : Darmstadt - Heidelberg (56,1 km)

10:00 Nach ausgiebigem Frühstück bei geht es - schon wieder viel zu spät - los. Die Sonne brennt, keine Wolke am Himmel. Durch Darmstadt, joggen und gehen abwechselnd, auch durch die vielen Kreuzungen und bescheidenen Gehwege bedingt.

Nach 30 Minuten Pause am Bäcker; Espresso und Laugenstange. Ein netter Polizist - 4 mal Käsesahne ;-) - spricht mich auf meine Schuhe an, ob die auch zum Laufen geeignet seien, er liebäugle damit. Wir kommen ins Gespräch, ich erzähle von Spanien. "Da würde ich sofort mitkommen. So-fort". Sehr gut, einer, der versteht, daß das ein Traum ist und keine Qual.

Es ist unglaublich warm, zu meinem Glück kann ich einen großen Teil der Strecke im Schatten laufen, aber sobald eine Sonnenpassage kommt, glaube ich zu verbrennen. Ich versuche zu trinken, Appetit habe ich keinen. Immer weiter der Bergstraße entlang, genau 50% der Etappe will ich gelaufen sein, bevor ich mir eine längere Pause gönne. Später - beim Nachdenken im hydrierten Zustand - fällt mir auf, dass das eine dumme Idee ist.

13:50 Die 50% sind genau um, und direkt vor mir tut sich ein schöner schattiger Rasenplatz auf, wo ich erstmal dösen kann. Übrigens gab es einen solchen Ort kein zweites Mal auf der ganzen Strecke, nur dort, wo er benötigt wurde.

Die Rezeption des reservierten Hotels hat nur bis 20:00 geöffnet, das wird nix. Ich buche um, reduziere dabei die Strecke um 6km; immer noch zu viel. Irgendwo hört der Fahrradweg an einer Baustelle auf (na gut, ich habe die 4 "Gesperrt" Schilder vorher ignoriert), ich muss den Wagen schräg eine steile Böschung hochschieben. Ganz schlecht mit 3 Rädern. Zweimal fällt er mir fast um.

18:40 Pause am Edeka. Eigentlich wollte ich ins Restaurant gehen, aber plötzlich hatte ich Lust auf Heidelbeeren. Die habe ich dann noch um Schoko-Milch und Fleischwurst ergänzt. Danach geht es mir besser. Wolken ziehen auf, es sieht nach Gewitter aus.

21:00 Ich komme im Hotel an. Sogar noch ordentlich gelaufen auf den letzten Kilometern. Meine Füße schmerzen weniger als am ersten Tag, die Pause mittags war gut. Ich dusche, will eigentlich noch Abendessen. Belasse es bei 2 Radlern im Hotel.

23:00 Es ist viel zu heiß, trotz Regen, ich wälze mich schlaflos im Bett.

Bestandsaufnahme: Ich bin zu lange auf der Strasse, schlafe zu wenig und habe Null Zeit für andere Sachen. Muskulatur ist OK, die ist ja auch trainiert. Der Rest des Körpers leider nicht. Hauptsächlich die Haut. Ziemlich viel wund. Sonnenbrand, der zehrt brutal. Ausschlag an den Beinen. Brennnesseln? Muss ich beobachten. Am Limit. Nach Tag 2. So geht das nicht.

Korrekturen: Hotel umgebucht, morgen nur knapp 40km, mehr trinken, konsequent essen. Mittags mindestens 1h Pause nach dem Essen. Der Körper braucht Zeit, verdauen und reparieren zu können.

9/02/11

Ein durchwachsener Start

Etappe 1: Gusbach - Darmstadt (54 km)

Der Tag beginnt bescheiden. Schlecht geschlafen. Um 7:30 falle ich aus dem Bett. Reifen montieren, aufpumpen, Wagen bepacken, Frühstück. Zur Stadt und meinen Wohnsitz abmelden, von meinen Eltern verabschieden. Rudimentär die Wohnung aufräumen, alles, was stinken könnte, in den Müll. Von Barbara verabschieden.

Um 10:30 geht's los. Nach 10 Metern merke ich, daß mein linkes Hinterrad leicht platt ist. Großartig. Es ist ein Schleicher, der Wagen bekommt dadurch ordentlich Drall, aber nix tragisches. Erstmal ein paar Kilometer machen. In Bremthal treffe ich Pfarrer Moritz auf dem Weg zu seinem Auto. Ganz gut, wir unterhalten uns, er segnet mich. Weiter. Tankstelle, Cola, Luft für den Reifen.

12:20 Wallau, 14 km. McDonalds zu Mittag. Eher nicht, da wo sonst der McD war, ist jetzt Baustelle. Fück. Also weiter.

13:30 Flörsheim, 22 km, 4 Stück Pflaumenkuchen, ein Liter Cola und mit der S-Bahn nach Frankfurt. Dort bekomme ich endlich die passenden Reifen. 1000 Dank an dieser Stelle an die netten Jungs von Montimare, daß das mit den Reifen geklappt hat. Mit der S-Bahn zurück.

15:30 geht's weiter, insgesamt hat der Spaß 2 Stunden gekostet, die mir hinten raus fehlen. Über den Main, durch Rüsselsheim (kurz verirrt), dann weiter nach Mörfelden. Auf dem Weg noch kurze Rast an einem Biergarten; irritierte Blicke ob meines Gefährts. Das Bild der Ortschaften geprägt von Opel als großem Arbeitgeber der Region, enorm viele Türken, meist 3. oder 4. Generation, die Unterschiede zwischen den Vierteln der unterschiedlichen Einkommensklassen sehr deutlich. Zwischendrin ein Kleinod, es kann ja nicht jeder Opel fahren.

Gegen Ende wird es zäh, ich gehe fast nur noch. Um 20:40 komme ich - hinnerum - bei den Hammesens in Kranichstein an, Schmelz & Familie sind auch da, es gibt lecker Abendessen mit Grillen & Bier. Schön, den ersten Abend mit Freunden verbringen zu können.

23:30 Licht aus, ich schlafe recht gut, aber viel zu wenig.

Project James: Und so fängt es an ...

Es beginnt wie jede Reise. 

Du machst einen kleinen Schritt vor deine Haustür. Und einen zweiten. Und dann noch einen. Die Straße, die du gut kennst, hinunter. Du kommst an die Kreuzung, an der du immer nach links gehst. 

Dieses Mal gehst Du nach rechts. Noch ein paar Schritte. Dort, wo du normalerweise umkehren und nach Hause zurückgehen würdest, gehst du weiter. Und dann, irgendwann, ist alles um dich herum anders.

Bestimmt sehen wir uns bald wieder.

gülben September 2, 2011 at 11:51 AM Two roads diverged in a yellow wood and sorry I could not travel both And be one traveller, long I stood and looked down one as far as I could to where it bent in the undergrowth; Then took the other, as just as fair, and having perhaps the better claim because it was grassy and wanted wear; though as for that, the passing there had worn them really about the same, I shall be telling this with a sigh Somewhere ages and ages hence: Two roads diverged in a wood, and I -- I took the one less travelled by, and that has made all the difference
toby September 2, 2011 at 1:54 PM Notizen 20 und 21 vom Spot: http://share.findmespot.com/shared/faces/viewspots.jsp?glId=01E1hnrINAzC4LNv2lW0NaUKmTMSu3kEs 13:33 bis 13:43 - Stefan wartet 10 Minuten an der S-Bahn-Haltestelle ;-)
Stefan September 2, 2011 at 2:00 PM und isst dabei 4 Stück Pflaumenkuchen ;-)
toby September 2, 2011 at 3:50 PM Was planst Du denn so an Kilometern pro Tag? Kommen Bilder? Wie hast Du den Piraten-Trailer gebaut? Zugstange an Hüftgeschirr? Viel Spaß und gutes Vorankommen!