10/27/11

Nachschlag

Etappe 49: Aviles - Ballota (48,1 km)


10:00 Bei halbwegs passablem Wetter geht es los, heute ist die längste Etappe der Woche. Und eine, die ich schnellstmöglich wieder vergessen möchte. Das mit dem passablen Wetter hält nicht lange, schon bald setzt der Regen ein. Und wird immer stärker. Dazu kommen Berge und Wind.

Was das Vorwärtskommen hier zusätzlich schwierig macht, ist, dass die Nationalstrasse hier zu Autobahn ausgebaut wird. Mal hier ein Stück, mal da ein Stück. Und die Autobahnabschnitte sind natürlich für Fussgänger gesperrt. Dieser Ausbau ist ein Teilen so neu, dass nicht einmal die Beschilderung schlüssig ist. Irgendwo mitten auf der Strasse kommt ein Schild: Für Fussgänger verboten. Keine Kreuzung, keine Abzweigung. Einfach: Hier geht's nicht weiter. Das wird bestimmt in der nächsten Pilgersaison sehr lustig, wenn ungefähr kein Pilgerführer mehr stimmt. Und die Umwege sind signifikant. Bei den normalen Pilgeretappen durchaus 25% und mehr.

19:00 Nass, kalt und müde komme ich am Hotel an. Das Hotel ist leer und verschlossen, die Rezeption 200m weiter in einer Kombination aus Bar, Restaurant, Lottoannahme. Der einzige Ort in im ganzen Dorf, wo Licht brennt. Aber ich werde freundlich empfangen, bekomme den Schlüssel zu Hotel und Zimmer. Lange Dusche, dann Abendessen. Das ist erstaunlich gut. Was ein bisschen irritiert, ist, dass es in dem Restaurant 68 Sitzplätze gibt. Glaube nicht, dass das Dorf so viele Einwohner hat. Heute bin ich jedenfalls der einzige Gast.

22:00 Schlafen.




10/26/11

Regen & Wind

Etappe 48: San Miguel - Aviles (37,9 km)


9:00 Endlich vernünftiges Frühstück. Grosse Begeisterung. Draussen Regen und Wind. Entsprechend gross ist die Motivation, aufzubrechen. Vorher entsorge ich noch mein zweites Paar durchgelaufene Schuhe. Jetzt habe ich noch zwei. Aber beide sind kurz vor dem Ende. Das wird knapp.

10:05 Ich breche endlich auf. Gleich zu Beginn versuche ich mir ein paar Kilometer mit einer Abkürzung zu sparen. Recht abenteuerlich, aber funktioniert.

11:20 Ich erreiche den Stadtrand von Gijon. Starker Regen und peitschender Wind. Von Gijon sehe ich fast nichts, auch wenn es zwei Stunden dauert, bis ich am anderen Ende der Stadt bin.

15:10 Inzwischen hat der Regen aufgehört. Es geht stur geradeaus, massiver Gegenwind macht es nicht unbedingt leichter.

16:30 Aviles. Eher unschön. Kurzer Lichtblick. Ein McDonalds Plakat. Leider finde ich den Laden nicht. Stattdessen laufe ich noch fast eine Stunde durch die Stadt.


17:30 Ich komme im Hotel an. Nix Dolles, aber auch nicht schlimm. Das gilt auch für'a Abendessen. Ich mache mich ins Bett, dieser Tag wird abgeschrieben.










10/25/11

Warmbadetag

Etappe 47: La Isla - San Miguel (39,6 km)


9:00 Frühstück. Das musste ich raushandeln. Eigentlich gibt es Frühstück erst an 9:30. 9:30? Es ist Dienstag. Offensichtlich sind die Franzosen nicht die Einzigen, die von der EU-Subvention leben.

9:40 Kalt, aber sonnig. Landschaftlich ist es heute eher unspannend, hügelig und viel geradeaus geht des der Nationalstrasse entlang.

12:00 Über Mittag geht es heute durch Villaviciosa. Die Stadt - zumindest beim zügigen Durchlaufen - eher uninteressant. Einen Mittagssnack aus M&M und Cola gibt es aus dem Automaten. Eine Brücke an der richtigen Stelle hätte mir hier gute drei Stunden sparen können.

14:30 Jetzt auf kleinere Landstrasse wieder bergauf, dann Hügel, Hügel, Hügel.

17:00 Ich komme im Hotel an. Heute Luxus pur. Spa, Massage, das beste Abendessen meiner Reise.

23:00 Zufrieden und einigermassen erholt falle ich ins Bett.





10/24/11

Küstentag

Etappe 46: Llanes - La Isla (47,9 km)


8:30 Frühstück. Eine Dachschräge mit Fenstern im Zimmer ist 'ne tolle Sache. Ausser es regnet. Dann ist das recht laut. Und sorgt für Vorfreude was den kommenden Tag angeht. Entsprechend gut gelaunt bin ich auch. Es gibt Toastbrot mit Marmelade und Kaffee. Frühstück ist wirklich nicht die herausragende Sache hier. Aber morgens geht der Spanier wahrscheinlich zum Blutdoping und nicht zum Frühstück.

9:15 Es geht los, der Regen schon nicht mehr so stark wie heute Nacht. Erstmal entlang der Nationalstrasse, recht wenig Verkehr heute, dafür bleibt es hügelig.

11:00 Pause an einem Supermarkt. Käsebrot und Eiskaffee. Inzwischen hat es aufgehört zu regnen. Dann weiter. Immer wieder wechselt die Landschaft zwischen grünen Hügeln und Küste. Etwas später klart es auf, ein bisschen Sonne, aber es zieht auch schnell wieder zu.

14:40 Ich komme durch Ribadesella, aber gerade hier regnet es wieder, so dass ich zügig weiterlaufe.

17:00 Wieder Küste, ich kann La Isla, mein Ziel für heute schone sehen.

18:10 Hmm, ich bin da, wo mein GPS sagt, dass mein Hotel sei. Nur mein Hotel fehlt noch. Ich laufe ein wenig umher, finde eine Bar und bekomme erklärt, dass das Hotel etwa 2km weit weg ist. Was soll's.

18:40 Endlich da. Das Hotel ist schön, ruhig und leer. Restaurant gibt es keins, auch nicht in der Nähe. Aber man zeigt Erbarmen und verspricht, mir ein Sandwich zu machen. Offensichtlich scheint das aber für die Küche zu komplex zu sein. Die kann nur Frühstück. Also bekomme ich ein vollständiges Frühstücksbuffet, inkl. Kaffee etc. aufgebahrt. Auch gut.

Ein sehr anstrengender Tag, satt und müde gehe ich zeitig schlafen.

10/23/11

What a difference a day makes

Etappe 45: Comillas - Llanes (48,0 km)

8:00 Gut geschlafen (mit ein wenig Hilfe von Wick NyQuil). Das Frühstück hier ist gut, ausser dem Kaffee, ansonsten bin ich recht froh, das Hotel zu verlassen, Es ist schon recht warm, als ich mich um halb zehn auf den Weg mache. Scheinbar kommt der Sommer doch noch mal zurück.


10:00 Einer der grossen Vorteile, Sonntags zu laufen, ist, dass es hier menschenleer ist. Besonders früh am Morgen, was sowieso nicht so die Zeit der Spanier ist. Später kommen dann die Ausflügler dazu, aber insgesamt recht wenig los. Und natürlich die Motorräder. In Masse. Was dabei auffällt: Schwere Maschinen. Ausschliesslich. Hier mehr die Rennmaschinen als die Schopper des vergangenen Wochenendes. Aber alles schwere Dinger. Ich glaube, ich habe in den letzten 10 Tagen keine 3 Mopeds gesehen. Die grosse Plage der dritten Welt (inklusive Frankreichs) ist hier einfach nicht existent. Warum? Keine Idee!


12:30 Pause an einem der vielen Bar/Restaurants. Kaffee und belegte Brötchen (die hier bestimmt einen besonderen Namen haben, den der ignorante Stefan nicht kennt). Dann weiter.

14:00 Inzwischen bedeckter Himmel, nicht zu warm, aber auch nicht kalt, hügelig geht es immer weiter. Heute finde ich meinen Rhythmus, auch wenn die Etappe lang ist, komme ich gut voran. Zwischendrin noch eine Pause mit Salat und Schuhwechsel.

18:15 Das Hotel, ein kleines und abgelegenes Haus, ist gut, ruhig und ich bekomme (als wahrscheinlich einziger Gast) ein schönes Zimmer in der Dachschräge. Ich bin heute zu faul, zum Abendessen zu gehen. Stattdessen Schokolade und Rioja. Erstklassig für die Kalorienbilanz.

10/22/11

Pause in Comillas


Mein Hotel sehr seltsam, und das nicht im guten Sinne. Es ist dunkel, hellhörig und voll von komischen Gästen. Wieder mal eine Erinnerung, dass die Vier Sterne an der Tür keine Qualität bedeuten, sondern lediglich, dass es einen Fön im Bad gibt. Ich ruhe mich aus.

Die Woche war hart, besonders der Regentag hat deutlich mehr aus mir herausgefressen, als ich das anfangs geglaubt habe. Immer noch ist mir ständig kalt, ich finde keinen Rhythmus, die Spanier habe ich auch noch nicht verstanden. Nicht gut.

Es sind noch knappe 500 Kilometer nach Santiago, das ist noch lang. Mal sehen, was die nächsten Tage bringen.

Resumé der siebten Woche: 259,4 km mit ordentlich Steigung. Nächstes Wochenziel: Navia



10/20/11

Betrügerische Jesusfresser


Etappe 43: Laredo - La Cueva (41,6 km)



9:30 Erst jetzt komme ich los, die Müdigkeit steckt mir in den Knochen. Es ist kalt, aber trocken. Mein Weg heute unspektakulär, immer entlang der Nationalstrasse.

Der eigentliche Jakobsweg geht weiter im Norden lang. Und nimmt dann für knapp 8km des Weges das Schiff. Ja, das Schiff. Nix laufen, faul schippern lassen. WTF? Warum nicht gleich den Flieger? Das geht doch noch schneller! Und für so was gibt es dann die Absolution. Alles Bescheisser.
Machen 8 Kilometer einen Unterschied? Natürlich nicht. Genauso wenig wie es einen Unterschied macht, wenn ich beim Marathon ein paar hundert Meter durchs Gebüsch abkürze. Oder als Amateur ein bisschen Anabolika nehme. Geht ja um nix, und ist trotzdem noch 'ne tolle Leistung. So insgesamt und so. Genau.


Mein Weg jedenfalls geht im Süden weiträumig an Santander vorbei. Ich fühle mich ok, aber nicht prall. Und werde hier aus den Strassen nicht schlau. Ich laufe den ganzen Tag an der Nationalstrasse entlang. Aber wenn nicht regelmässig Schilder kämen, die das bestätigen, würde ich es nicht glauben. In einigen Abschnitten dichter Verkehr, so dass es fast unmöglich ist, die Strasse zu queren, dann kommen Passagen, in denen ich in einer Stunde keinen 5 Autos begegne. Sehr seltsam. Und ich gebe zu bedenken, dass sich all diese Wechsel auf einer Gesamtstrassenlänge von unter 50 km abspielen. Sehr merkwürdig.


17:00 Mein Hotel heute eine ganz ruhige Pousada. Ich komme zur Tür rein und werde mit 'Stefan?' begrüsst. Das Zimmer gross, auch das Internet funktioniert hier zur Abwechslung mal.

20:00 Es klopft an meiner Tür. der Hotelbesitzer fragt mich, ob ich noch etwas brauche, er habe noch andere Gäste, denen wolle er ein gutes Restaurant zeigen. Abendessen. Hatte ich fast vergessen. Ich frage, ob ich mitkommen könne. Kein Problem. Ich denke, er meint ein Restaurant um die Ecke. Wir fahren 15 Minuten mit dem Auto. Hmmm, das wird ein teures Abendessen. Ich frage, ob es hier ein Problem sei, ein Taxi zu bekommen. Er lacht. Nein, nein, er wird mit dem Restaurantbesitzer sprechen. Wenn ich fertig bin, werde er mich abholen. Wow.

Letztendlich überlegt er es sich anders, bleibt dort und isst auch eine Kleinigkeit. Dann fährst er mit unz zurück. Mein Abendessen ist ausgezeichnet, das erste Mal in Spanien. Zufrieden und dankbar gehe ich heute schlafen. Das ist echte Gastfreundschaft.