9/22/11

Sushi, Bullen, Fritten

Etappe 18: Montchanin - Gueugnon (44,7 km)

Irgendwie bin ich heute am Sack. Obwohl ich recht gut geschlafen habe, ist heute gar keine Motivation da. Vielleicht ist das der Nachtrag der Coissey-Etappe. Ich mache mich schleppend auf den Weg, es ist bewölkt, nicht zu warm, eigentlich perfekte Bedingungen.


Erst geht es eine Weile den Kanal entlang, dann durch Montceau-les-Mines. Ich komme an einem Supermarkt vorbei, kaufe abgepacktes Sushi, Olivenpaste und Orangensaft. Das Sushi schmeckt grausam - ja, das war mir eigentlich vorher klar - aber scheinbar hilft die Überdosis Salz im Shoyu, danach fühle ich mich ein wenig besser.


Nachmittags wird es hüglig, es geht wenig befahrenen Landstrassen entlang. Bei meiner nächsten Pause stelle ich fest, dass mein Salat wohl den Zenit überschritten hat. Dafür gibt es Baguette mit Olivenpaste - was meine neue Geheimwaffe für's Laufen wird.

Zwischendrin muss ich ein kurzes Stück stark befahrene Strasse laufen. Kein Problem, die Strasse ist breit genug, die Autos weichen ohne zu murren aus. Bis auf die Gendarmerie, die mir entgegenkommt. Der Streifenwagen hält an, der Beifahrer ruft mir etwas zu, ich signalisiere, dass ich ihn nicht verstehe. In einigermassen brauchbarem Englisch erklärt mir der nette Gendarm, dass es gefährlich sei, hier zu laufen. Quietschende Bremsen, der unverwechselbare Geruch von verkohltem Gummi. Ein nachfolgendes Auto kann in letzte Sekunde bremsen, bevor er den Gendarmen hinten drauf fährt. Denn diese haben natürlich mitten auf besagter vielbefahrenen und gefährlichen Strasse angehalten. Kein Blaulicht, kein Warnblinker.

Ich gebe meine bester Spock-Imitation - das Geseicht ausdruckslos, nur die linke Augenbraue hochgezogen - und bedanke mich für den wertvollen Hinweis. Im Weggehen höre ich, wie im Streifenwagen lautstarke Diskussion ausbricht.

Gegen 19:30 kommen ich am Hotel an - war da nicht was mit nur noch bis 18:00 laufen? Dieses ist klein, aber recht gut, zum Abendessen gibt es "Le Formule" - Ribeye, Fritten und Salat, dazu Vin Ordinaire, was will man mehr. Die Local schauen ein wenig befremdlich ob meines Auftrittes, wenden sich aber schnell wieder ihrem Kaltgetränk zu.

9/21/11

Geburtstagsetappe

Etappe 17: Chalon-sur-Saône - Montchanin (35,2 km)


Nette Bergetappe heute, ein wenig durch die malerischen Weinberge des Burgund, knappe 600 HM, aber alles im lockeren Bereich. Zuwenig getrunken, ich bin abends eher platt. Gutes Abendessen und früh in die Heia.



Danke für all die Geburtstagsgrüsse. Oder besser gesagt, danke für all die Anfeuerung anlässlich meines Geburtstages; ich habe mich sehr gefreut.

9/20/11

Business as usual

Etappe 16: Seurre - Chalon-sur-Saône (ca. 34 km)

Heute wache ich das erste Mal seit langem ausgeschlafen auf. Die Dame an der Rezeption fragt mich, ob ich frühstücken möchte, ich bejahe. "Hier ist die Kaffemaschine, dort gibt es Teller, hier sind Butter und Marmelade, viel Spass". Ich spare mir die Frage, wo ich die Spüle finde. Dann geht es los.


Den Kanal habe ich verlassen; um etwas mehr Strecke zu machen, kürze ich ab. Der Himmel blau, keine Wolke, entsprechend warm ist es. Es geht den ganzen Tag durchs Nichts. Zwischendrin eine gesperrte Brücke, kostet mich fast 40 Minuten, egal, es ist schön hier. Mittags ein grösserer Ort mit Bäcker, ich mache Pause, bis seine Mittagspause vorbei ist, dann bekomme ich frisches Brot und Wasser (Und eine Dose Cherry Coke als besonderer Treat für den Tag).

Dann weiter nach Chalon-Sur-Saone. Von der Stadt sehe ich wenig, das Hotel, wie meistens, an der Ausfallstrasse, die mit Basecamp geplante Route geht nur durch Industriegebiet. Egal, ein grosser Supermarkt gegenüber, erstklassiges Abendessen im Hotel, alles bestens.

Mein Bein wieder besser, der neue Laufrhythmus scheint mir zu bekommen. Abends vergnüge ich mich noch eine zeitlang mit Karno's neuem Buch 'Run!'.
"Why I run? Because basketball and baseball only require one ball"

9/19/11

Wilde Gestalten

Etappe 15: Choisey - Seurre (38,4 km)

Ok, ok, ich hab's gerafft. Kein Wettkampf. 60km geht nicht. Oder besser, es geht schon, aber dann ist es eben ein Wettkampf und der Preis ist recht hoch. Also, ab sofort: Gelaufen wird nur noch bis 18:00, danach nur noch Suche nach Unterkunft. Nicht so sehr auf im Voraus gebuchte Hotels verlassen, zur Not campen.


Die Vorsätze sind gut, aber heute morgen bin ich trotzdem erstmal platt. Frühstück so kurz vor 10, damit ich noch was kriege, danach packen und völlig demotiviert auf den Weg.

Erster Programmpunkt: Supermarkt, Proviant kaufen. Damit fertig, werde ich erstmal abgeduscht, aber es ist inzwischen 11:30 und irgendwann muss ich mich mal auf den Weg machen, also Augen zu und durch. Es geht erst ein Stück am Kanal entlang, danach wird über die Landstrasse abgekürzt. Mittags klart es auf, aber richtig heiss wird es zum Glück nicht.


Über völlig leere Strassen geht es weiter nach Westen, so langsam fühle ich mich auch besser. Am Nachmittag sieht es lange so aus, als würde ich noch mal den flüssigen Sonnenschein abbekommen, aber ich bleibe trocken, komme gegen 17:30 in Seurre an.

Hier gibt es einen Campingplatz. Dort treffe ich ganz merkwürdige Gestalten, grosse neue Camper an neuen Mercedesen, aber die Besitzer sehen eher aus, als lebten Sie auf der Strasse. Einer der Herren erklärt mir, der Campingplatz sei geschlosssen, geht mir noch eine Weile nach und stellt sicher, dass ich auch wirklich weggehe. Zumindest hoffe ich, dass er nur danach sieht. Ich gehe Stück in Richtung des nächsten Campingplatzes, dann wird mir irgendwie mulmig. Zur gleichen Zeit sehe ich einen Hinweis auf ein Hotel. Ich überwinde mich und gehe dorthin. Überraschenderweise kann ich mich mit der Besitzerin recht gut verständigen und das Zimmer ist ziemlich brauchbar (und unverschämt billig). Auch das Abendessen ist super (aber unverschämt teuer). Insgesamt ein guter Deal, zufrieden und müde gehe ich schlafen.

9/18/11

Eine viel zu lange Etappe

Etappe 14: Besancon - Choisey (63,5 km)

9:30 Besancon bietet mir auch heute Grau-In-Grau. Immer wieder regnet es ein kleines bisschen, aber nicht so richtig. Schon kurz nach dem Start merke ich, dass heute irgendwie verdammt viele Jogger unterwegs sind. Ein paar Minuten später folgt die Erklärung. Heute gibt es hier eine Laufveranstaltung "Ganz Besancon läuft", mit zahlreichen Läufen von ein paar hundert Metern bis zum Halbmarathon. Halbmarathon! Für einen Moment zögere ich, dann kriege ich meine Prioritäten auf die Reihe und laufe weiter. Dennoch verläuft ein Teil der Laufstrecke des Halbmarathons auf meinem Weg, so dass ich ein paar Kilometer mitjogge. Geht eigentlich ganz gut.

Danach bin ich wieder weitgehend alleine, immer dem Kanal und EV6 entlang. Es ist Sonntag, daher begegnen mir ab und zu kleinere Gruppen von Fahrradfahrern. Gegen Mittag klart es auf und wird sogar wieder recht warm. Schon am frühen Nachmittag merke ich, dass ich mit der Zeit nicht hinkomme. Eigentlich bräuchte ich dringend eine Pause, aber die Reststrecke ist noch zu lang.



Irgendwann fängt es an zu dämmern, aber so richtig geniessen kann ich das nicht, es fehlen immer noch 20 km, keine Ahnung, wie ich mich so verkalkuliert habe. Immer schleppender wird es, mein Schienenbein fängt wieder an zu schmerzen. In der Dunkelheit laufe ich durch Dole, danach noch 4 km zu meinem Hotel. Oder dorthin, wo mein Hotel sein sollte. Ist es aber nicht. Ich irre noch eine halbe Stunde durch ein Industriegebiet (was natürlich Sonntag abends um 10 super belebt ist), bevor ich endlich mein Hotel finde und erschöpft ins Bett falle.


9/17/11

Pause

Pause in Besancon.

Essen, Einkaufen, Essen, Waschen, Essen, Schlafen, Essen.... Ausruhen, kein Touristenprogramm, der Ruhetag soll wirklich genau das bewirken, was der Name suggeriert.

Resumé der zweiten Woche: 215,1 km, +1619, -1516 Höhenmeter


Am Nachmittag mache ich mich noch mal in die sehr schöne Altstadt. Leider ist alles Grau in Grau heute, aber wenigstens trocken. Den Regen kriege ich morgen. Ich finde eine grosse Buchhandlung und kaufe für den nächsten Teil der Reise Radkarten. Danach Routenplanung bei einem guten französischen Bier.

Abendessen im Hotel, ein wenig teurer als in D, aber grandios. Man muss den Galliern schon lassen, vom Essen verstehn sie was.
Pyto September 18, 2011 at 7:27 AM Die Infrastruktur für Radfahren sollte doch eigentlich sehr gut sein. Haben die da nicht auch ein recht bekanntes Radsportereignis 1x im Jahr?
Ja, aber das wird - auch wenn das im Fernsehen wegen der ähnlichen Breite so aussieht wie Fahrradwege - auf Strassen ausgetragen ;-)

9/16/11

In Frankreich angekommen

Etappe 13: Baume-les-Dames - Besancon (32,8 km)


7:30 Früh wache ich auf, im Zelt ist es halt nicht so bequem. Zusammenpacken dauert ein bisschen, alles ist feucht vom Tau . Gegen 8:30 - der Bäcker kam, entgegen den Versprechungen von gestern nicht mit seinem Wagen vorbei - breche ich auf. Es ist anfangs kühl, aber mit wolkenlosem Himmel und Windstille bleibt das nicht lange so.


12:00 Schleppend geht es heute, die Anstrengung von gestern und das Schlafen im Zelt fordern ihren Preis, so richtig motiviert bin ich nicht. Das scheint aber bei den leichteren Etappen zum Programm zu werden. Kurz Espresso an einem Rastplatz, dann noch ein wenig am Kanal entlang. Irgendwo passiere ich die 500km Marke, aber das merke ich erst abends im Hotel.

14:00 Die letzten 8km geht es noch mal über die zweispurig ausgebaute Hauptstrasse und über einen grossen Hügel. Sehr angenehm fällt hier auf, dass die Franzosen nicht so oberlehrerhaft sind wie die deutschen Autofahrer.

15:40 Ankunft in Besancon, diesmal ein gutes Hotel in der Stadtmitte gebucht, schliesslich ist morgen Ruhetag. Erstmal ein wenig schlafen, am frühen Abend gehe ich noch mal in die Stadt um leckeres Essen im Supermarkt einkaufen. Leider haben die Geschäfte auch hier ab 19:00 zu. Es ist ein Musikfest mit einem kostenlosen klassischen Open Air Konzert in der Stadt; ich kann mich dazu aber nicht aufraffen, spachtele stattdessen Salat und gemischte Süssigkeiten im Hotelzimmer und gehe früh schlafen.

So langsam habe ich mich daran gewöhnt, in Frankreich zu sein, die negativen Seiten sind (immer noch negativ, gar kein Zweifel aber ) nicht mehr so wichtig und ich beginne, die kleine schönen Sachen geniessen zu können. Bin sehr zufrieden darüber.